Hintergründe und Kontexte zum Unterricht
Der vorliegende Baustein deckt alle im Kerncurriculum für das Rahmenthema 1 („Literatur und Sprache um 1800“) als verbindlich genannte Unterrichtsaspekte ab und ermöglicht es, die entsprechenden prozess- und domänenspezifischen Kompetenzen daran zu vermitteln.
Gemäß den im Kerncurriculum angeführten Vorgaben für das Pflichtmodul „Romantik als Gegenbewegung zur Aufklärung?“ knüpft der erste Teil des vorliegenden Bausteins unter der Leitfrage „Was hofften die Aufklärer?“ an das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler aus der Einführungsphase an, in der die Aufklärung bereits Unterrichtsgegenstand gewesen ist.
Als Leittext fungiert Gotthold Ephraim Lessings „Die Erziehung des Menschengeschlechts“ (1780), in dem der Verfasser die biblische Offenbarungsgeschichte zu einem am geistigen Horizont aufscheinenden „neuen ewigen Evangelium“ fortspinnt, das allerdings nicht mehr durch einen äußeren Lehrer (Gott bzw. seinen Sohn), sondern aus dem Handeln eines jeden Menschen selbst spricht, der dazu nur aufgeklärt genug sein muss, um sich emanzipieren zu können. An dieser Stelle wird auch die Basis geschaffen für den im Kerncurriculum geforderten Vergleich des aufgeklärten mit dem romantischen Menschenbild. An Aphorismen, Fabeln sowie an Auszügen aus Lessings Fabeltheorie werden die erzieherischen Ansätze aufgeklärten Schreibens genauer entfaltet.
Der zweite Teil des Bausteins hat unter der Überschrift „Abschied von der Aufklärung“ verknüpfende Funktion zum zweiten literaturgeschichtlichen Schwerpunkt des Pflichtmoduls, der Romantik. Leittext dieses Abschnitts ist ein Auszug aus Rüdiger Safranskis „Romantik. Eine deutsche Affäre“ (2007). Safranski entfaltet darin die Schwierigkeiten am Ende des 18. Jahrhunderts, aufgeklärte Erwartungen und gesellschaftliche sowie politische Realitäten zur Deckung zu bringen, und leitet das Aufkommen neuer, hier also romantischer Ideen aus der Enttäuschung her, die die Verzögerungen und Beschränkungen der Theorie der Aufklärung in der Praxis um 1800 auslösen mussten. An Bildern zur Lesekultur um 1800 sowie an zeitgenössischen Aphorismen, Sachtextauszügen und Gedichten wird dieser Umschwung sowohl inhaltlich als auch in der sprachlichen Gestaltung sichtbar. Methodisch liegt hier der Schwerpunkt auf der Verknüpfung mentalitätsgeschichtlicher Wandlungen mit ihren sprachlichen Ausgestaltungen.
Der folgende Abschnitt nimmt nun die für die Schülerinnen und Schüler weitgehend neue Epoche der Romantik in den Blick. Wie in den vorangegangenen Abschnitten leitet die Auseinandersetzung mit epochentypischen Gemälden in die Auseinandersetzung mit zentralen Fragestellungen ein. Die Leitfrage dieses Abschnitts lautet entsprechend „Wonach sehnten sich die Romantiker?“. Mit der Auswertung des Radiovortrags von Peter von Matt „Herrlichkeit und Katzenjammer“ zur Epoche der Romantik lässt sich die Frage beantworten mit dem Hinweis auf ein „zweites Augenpaar“, das geeignet sein soll, hinter die äußere Erscheinung der Welt zu schauen, um dort Wesentlicheres entdecken zu können als das Alltägliche, mit dem sich nur Philister zufrieden geben. Auf dieser Grundlage lässt sich die geforderte Untersuchung des Wandels im Menschenbild um 1800 leisten.
An Gedichten von Eichendorff und Heine, an der Märchensammlung der Brüder Grimm (und darin dem Märchen vom gestiefelten Kater) sowie an einem Auszug aus E. T. A. Hoffmanns „Lebensansichten des Katers Murr“ werden diese Epochenmerkmale konkretisiert. Zusätzlich werden Vertiefungsmöglichkeiten angeboten, die sich mit dem Vergleich von Gedichtvertonungen (Matthias Claudius: „Abendlied“ [1779] / Joseph Freiherr von Eichendorff: „Mondnacht“ [1835]) und einer romantischen Komödie Ludwig Tiecks („Der gestiefelte Kater“ [1779]) befassen. Deutlich wird dabei für alle die Gebrochenheit vieler romantischer Texte, die in ironischer Weise die Unmöglichkeit des Dargestellten zugleich bestätigen und infrage stellen (und insofern einen angemessenen Ausdruck des politischen Bürgertums unter den Vorzeichen der Restauration leisten).
Der letzte Abschnitt dieses Bausteins beschäftigt sich mit dem für das erhöhte Anforderungsniveau verbindlichen Unterrichtsaspekt „Probleme der Periodisierung“. An zum Teil eher darstellenden, zum Teil eher wertend-appellativen Texten wird das Konzept der „Epoche“ infrage gestellt und durch andere Zugriffsmöglichkeiten wie eine mentalitätsgeschichtliche Gliederung ergänzt. Konkretisiert wird dies durch Reinhart Kosellecks Entfaltung des Begriffspaares „Erfahrungsraum“ und „Erwartungshorizont“ für die von ihm sogenannte „Sattelzeit“ um 1800.
Zu allen verbindlichen Unterrichtsaspekten finden sich im Schülerarbeitsbuch Ergebnissicherungen. Diese finden Sie zudem auf der AbiBox+, sodass Sie die Ergebnisse mit Ihren Schülerinnen und Schülern besprechen und diskutieren können.